TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

Friedensgutachten von vier staatlich anerkannten Forschungseinrichtungen

Friedensgutachten von vier staatlich anerkannten Forschungseinrichtungen

In der Friedensdebatte meldet sich VORSPRUNG-Leser Jörg Sternberg zu Wort.

VR Bank Main-Kinzig-Büdingen eG

"Bei der Bewerbung der BRD um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat hat das Ansehen deutscher Diplomatie eine beschämende Blamage erlitten. Nicht nur dadurch, sondern auch, weil Völkerrechtsbrüche nur selektiv angeprangert werden, soweit sie sich auf Feindbilder wie Russland und Iran beziehen, selten aber ebenso deutlich, wenn es sich um Verbündete wie Nato, die USA oder die Netanjahu-Regierung handelt.

Aus Sorge um das Ansehen der BRD in der Welt haben sich am 8.6. vier staatlich geförderte Forschungseinrichtungen (BICC, PRIF, INEF, IFSH) mit dem Gutachten 'Die neuen Warlords' an die Öffentlichkeit gewandt, in dem sie der Bundesregierung Handlungsorientierung geben wollen 'in einer Weltordnung, die zerfällt'. Sie konstatieren, der Krieg stehe auf der Tagesordnung unter Führung staatlicher Warlords, um Macht und Profit durchzusetzen geführt von Autokraten oder Staaten im demokratischen Niedergang. Wobei sie die derzeitige Schwäche von internationalen Regeln und Institutionen ausnützten. Die BRD solle sich diesen 'Kriegsfürsten' entgegenstellen, die UNO, insbesondere ihre Vollversammlung stärken und sich neue Koalitionen suchen mit Partnern wie Indien, Brasilien, Südafrika, Kanada uns Australien.

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg, hier wird die Bundesregierung aufgefordert, keinerlei Anerkennung von russischen Gebietsgewinnen, die durch Gewalt erlangt wurden, auszusprechen, sondern ihr entgegenzuwirken. So weit, so gut. Die Frage aber bleibt, wieso die Aufrüstungs- und Militarisierungspolitik des gegenwärtigen Kurses  keine Erwähnung im Friedensgutachten wert ist und wie der Ukraine-Krieg, mit solch altbekannten Narrativen wie sie Pistorius und Wadephul verwenden ('mit Putin kann man nicht verhandeln') beendet werden soll. Dazu schweigen die Friedensforscher. Andere Friedensorganisationen wie Pax Christi oder Internationale Ärzt:innen zur Verhütung des Atomkrieges gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie fordern eine kritische Erörterung des eigenen beziehungsweise des westlichen Handelns und führen die völkerrechtswidrigen Überfälle auf den Iran und Venezuela wie die Ankündigung der Übernahme Palästinas und Kubas durch Trump an. Dies nur zur Kenntnisnahme.

Jörg Sternberg
Hanau

Hinweis der Redaktion: Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen oder nicht zu publizieren. Online eingesandte Leserbriefe werden nicht direkt veröffentlicht, sondern zuerst von der Redaktion geprüft. Leserbriefe sind immer mit dem Namen und der Anschrift des Autors zu versehen und spiegeln die Meinung des oder der Autoren wider. Die E-Mail-Adresse zur Einsendung von Leserbriefen lautet info@vorsprung-online.de.

Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de

Kommentare

11
felix
3 wochen vor
"Bei der Bewerbung der BRD um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat hat das Ansehen deutscher Diplomatie eine beschämende Blamage erlitten."
Der Hanauer Schriftsteller Sternberg weist zu Recht darauf hin, dass Deutschland im internationalen Vergleich mittlerweile immer weniger Achtung erfährt.
Dieser weltweit sichtbare Reputationsverlust, der sich nicht zuletzt im Abstimmungsverhalten der Weltgemeinschaft manifestiert, ist eine schallenden Ohrfeige für die Außenpolitik der letzten Jahre (maßgeblich von den Grünen verbockt) und zumindest in der internationalen Presse in aller Regel mit dem Namen der ehemaligen Außenministerin und deren Aktivitäten verknüpft.
Doppelstandards und Einseitigkeit gepaart mit bellizistischen Attitüden bei untertänig anmutender Servilität gegenüber der "Schutzmacht" sind nur einige der Kritikpunkte, die hierzulande gerne ausgeblendet werden.
Ob der Nachfolger im Amt über die Qualitäten verfügt, den angerichteten Schaden zumindest zu begrenzen, sei dahingestellt.
Seitens der ehemaligen Friedenspartei wartet man bis heute vergeblich auf eine Entschuldigung für das unsinnige zerschlagen von Porzellan und das angerichtete Unheil.
Gefällt mir 5 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
10
Karlheinz
3 wochen vor
Sehr präzise benannte Fakten guter Beitrag.

Ich befürchte das die Reputation bezüglich der Außenpolitik, und Diplomatie auf lange Zeit verspielt wurde.
Hingegen ehemals schwächere Nachbarländer wie z.b. Frankreich, Spanien und Italien, vertreten in der Außenpolitik wesentlich klarere Linien.
Gefällt mir 4 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
11
felix
3 wochen vor
"... das unsinnige Zerschlagen von Porzellan ... "

Man kann es nicht oft genug sagen.
Gefällt mir 3 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
10
W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
2 wochen vor
Das ist sicher nur ein Teil der Dinge, die Deutschland eine Menge Ansehen gekostet haben.

Dazu kommt auch immer wieder das endlose Belehren der deutschen Politiker und Medien gegenüber anderen Ländern.
Niemand braucht einen Moralapostel, und andere Länder sagen sich, Deutschland solle sich erst einmal um die eigenen Probleme kümmern.
Gefällt mir 2 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
16
Hätteesgernschönhier
3 wochen vor
Das ist mir gerade Mal wurscht. Ich möchte mal die Aufmerksamkeit auf die Gelder richten. Ich habe gehört, unser Pflichtanteil liegt bei 800Millionen €. Wir zahlen aber über 40 Milliarden(!) und doppelt so viel wie z.B. China. Ich bin dafür, die Zahlungen stark runterzufahren. Da wäre unserem Bundeshaushalt viel geholfen. Zumal sich da eh eher Israelhasser versammeln. In USA sagt man dazu dummes deutsches Geld. Sicher nicht nur in Hollywood.
Gefällt mir 6 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
15
Wolfram
3 wochen vor
Differenzieren hilft:
Die BRD ist der viertgrößte Beitragszahler nach USA, China und Japan.
Allerdings zahlt Deutschland anteilig mehr in Organisationen wie z.B. die WHO als andere Länder.
Ob wir es schöner hier hätten, wenn diese Zahlungen nicht erfolgten, mag jeder für sich entscheiden.
Gefällt mir 1 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
14
Karlheinz
3 wochen vor
Ihr Gedanken sind durch aus berechtigt.
Meine Frage ist wieviel von den gezahlten Euros wirklich notleidenden Menschen zugute kommen.

Grade was die UN und die WHO betrifft.
Leider benötigen diese Organisationen mehr Gelder für ihre Vorstände, und NGO als wie Vorort für tatsächliche Hilfe eingesetzt wird.
Gefällt mir 6 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
15
Hätteesgernschönhier
3 wochen vor
ICH KORRIGIERE: 4 Milliarden! Ich will keine Lügen verbreiten.
Gefällt mir 2 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
MKK-Jobs