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Beamtenbesoldung: Rechtssicherheit statt politischer Gestaltungsspielräume

Beamtenbesoldung: Rechtssicherheit statt politischer Gestaltungsspielräume

In der Debatte über die Beamtenbesoldung meldet sich VORSPRUNG-Leser Klaus Reuter zu Wort.

Hanau News

"Die aktuelle Diskussion über die Neuregelung der Beamtenbesoldung in Hessen zeigt erneut, dass eine grundsätzliche Klärung der verfassungsrechtlichen Anforderungen dringend erforderlich ist. Das Alimentationsprinzip verpflichtet den Staat als Dienstherrn, seinen Beamtinnen und Beamten sowie deren Familien eine amtsangemessene und verfassungsgemäße Lebensführung zu ermöglichen. Diese Verpflichtung ist keine politische Ermessensentscheidung, sondern eine unmittelbar aus der Verfassung abgeleitete Garantie des Berufsbeamtentums.

Mit großer Besorgnis wird daher wahrgenommen, dass bei der Berechnung der erforderlichen Besoldung offenbar pauschale Annahmen über zusätzliche Familieneinkommen herangezogen werden. Die Berücksichtigung eines fiktiven oder typisierten Zusatzeinkommens von Ehepartnern kann nicht dazu führen, die originäre Verantwortung des Dienstherrn für eine angemessene Alimentation zu reduzieren. Der Staat darf seine verfassungsrechtliche Verpflichtung nicht auf individuelle Lebensmodelle, Erwerbsmöglichkeiten von Ehepartnern oder statistische Durchschnittswerte verlagern. Die Besoldung muss den tatsächlichen Anforderungen des Amtes, der Verantwortung der Beamten und den realen Lebenshaltungskosten gerecht werden. Gerade deshalb ist eine abschließende Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgericht von herausragender Bedeutung. Es bedarf verbindlicher und nachvollziehbarer Kriterien, nach denen Bund und Länder künftig ihre Besoldungsgesetze auszurichten haben. Von besonderer Bedeutung ist dabei auch die Frage der zeitlichen Wirkung verfassungswidriger Besoldungsregelungen. Zahlreiche Beamtinnen und Beamte erwarten zu Recht Klarheit darüber, ob und in welchem Umfang eine unzureichende Alimentation rückwirkend auszugleichen ist. Ein Rechtsstaat benötigt gerade bei langfristigen Verpflichtungen des Staates gegenüber seinen Bediensteten klare und verlässliche Regeln. Es darf nicht davon abhängen, wie lange Gesetzgeber und Verwaltung benötigen, um verfassungsrechtliche Vorgaben umzusetzen. Eine effektive Grundrechtsgewährleistung setzt voraus, dass festgestellte Verstöße gegen das Alimentationsprinzip zeitnah und vollständig korrigiert werden. Die Landesregierung Hessen steht daher in besonderer Verantwortung. Die Umsetzung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts darf nicht durch finanzpolitische Erwägungen oder kreative Berechnungsmodelle eingeschränkt werden. Haushaltsbelange können die verfassungsrechtliche Verpflichtung zur amtsangemessenen Besoldung nicht relativieren.

Von einem ehemaligen Präsidenten des Staatsgerichtshofes des Landes Hessen wie Herr Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck darf erwartet werden, dass die Bedeutung des Alimentationsprinzips und die Bindungswirkung verfassungsgerichtlicher Entscheidungen besonders bewusst sind. Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Polizei, Justiz, Schulen, Feuerwehr und Verwaltung tragen täglich Verantwortung für die Funktionsfähigkeit unseres Gemeinwesens. Sie haben Anspruch auf eine Besoldungspolitik, die von Verfassungstreue, Transparenz und Rechtsklarheit geprägt ist.

Es ist daher an der Zeit, dass das Bundesverfassungsgericht die offenen Grundsatzfragen abschließend beantwortet:
• Welche konkreten Anforderungen gelten für eine verfassungsgemäße Alimentation?
• Welche Bedeutung darf familiäre Einkommensverhältnisse bei der Berechnung haben?
• Ab welchem Zeitpunkt bestehen Nachzahlungsansprüche bei verfassungswidriger Besoldung?
• Wie kann künftig eine einheitliche und rechtssichere Umsetzung durch Bund und Länder gewährleistet werden?

Eine klare Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus Karlsruhe würde nicht nur den Beamtinnen und Beamten Rechtssicherheit geben, sondern auch den Ländern endlich eine verlässliche Grundlage für eine verfassungskonforme Besoldungspolitik schaffen."

Klaus Reuter
Großkrotzenburg

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Kommentare

2
Prof. ad. Wilfried W
1 woche vor
Anmerkung:

+ Welche "Verfassung" meinen Sie?
Die vom 11. 8. 1919?
Die BRD hat ein Grundgesetz mit dem Artikel 146 ...

+ Auch ein Staat "kann Pleite gehen" ...
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1
Nachdenklich
1 woche vor
Grundsätzlich sollte jeder von seinen Einkommen angemessen Leben können.

Es ist einfach nicht hinnehmbar das nur die Angestellten den Gürtel enger schnallen sollen.

Das Beamtentum wurde über Jahrzehnte unnötig aufgebläht, viele der Verwaltungsaufgaben können genauso gut von Angestellten ausgeführt werden.

Reformen sind dringend notwendig, ein Beamter ist kein Mensch 1 Klasse, und jederzeit ersetzbar. 

Der oft zitterte Staat als Dienstherr ist Dienstleister, und sollte nicht mehr oder weniger Pflichten als alle Arbeitgeber haben.

Dass das dem Verfasser und der Beamtenschaft nicht passt ist verständlich muss, jedoch gerecht geändert werden.

Ich erwarte jetzt die üblichen Einwände von den Menschen, die das Beamtentum vehement verteidigen werden.
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